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Schlechte Roman-Enden

von

Robert Cohn

 

I

... stieß ihn durch die Kellertür. Friedrichsens Leib war so aufgedunsen, dass er dort stecken blieb. Langsam hob er sein blutverschmiertes Gesicht und ächzte. Der glotzende Blick seiner Augen verriet, dass er am Ende war. Doch er war ein Tier. Langsam hob Kruse seinen Stiefel und hieb ihn hinein in all die jahrelangen Qualen, hinein in das Schreien seines Schwippschwagers, hinein in alles, was er hasste. Schließlich verschwand Friedrichsens Leib in der gähnenden Kelleröffnung.

Mit letzter Kraft warf Kruse die Tür ins Schloss, drehte den Schlüssel dreimal um und stieß ihn dann mit der bloßen Faust durchs Fenster. Silbern segelte er dort draußen durch die Luft, ein verlorenes Etwas, ein Funken vor der Auslöschung, wie ein Engel ohne Flügel. Kruse weinte.

Der Schlüssel platschte leis ins Wasser, und die trägen Fluten des Delft verschluckten ihn für immer.

 

II

... "no!!", heulte Butendieck aus vollem Halse in den verdammten Lärm des Außenbordmotors. "Klüse, lot dat sien! Verdammt! Nicht immer die Kaiserkrabben hochholen, die stehen unter Artenschutz, Mensch!" Aber Klüse war ein verdammter Automat. Er machte, was der Käptn sagte. Und der Käptn hatte gesagt, "Männers", hatte er gesagt, "holt die verdammten Kaiserkrabben hoch und ladet die verdammten Kaiserkrabben in den verdammten Laderaum rein, oder ich will verdammt sein, Männers". Das hieß für Klüse, die volle verdammte Ladung Kaiserkrabben hochzuholen und reinzuladen. Artenschutz hin oder her. Butendieck ging durch die verdammte Hölle. Wieder und wieder.

 

III

... Ich fahre immer weiter die B6 entlang. Da ist es dunkel. Nur in meiner Seele ist es dunkler. Ich werde mich an Annerose rächen für alles, was sie mir angetan hat. Zuerst fahre ich ihren Benzintank leer. Dann werde ich ihre Schuhesammlung nehmen und sie eiskalt dem Roten Kreuz spenden. Ja. –

Irr lachend fahre ich durch Altenwalde. Bald werde ich am Schleusenpriel sein. Annerose hat mir gesagt, es sei wunderschön. Ich fahre ALLEINE hin und schicke ihr keine Postkarte. Das ist take three meiner Rache. Und ihr Auto fahre ich auch kaputt. Da muss ich weinen und meine Tränen zermalmen mich. Innerlich. Äußerlich fahre ich ja Auto und schalte nicht hoch, denke ja gar nicht dran, der Motor kreischt, der gehört ja Annerose, das geschieht ihr ganz Recht. Ach, ach. -

Ich bin von nun an ein Gefangener an mir selbst und in mir selbst. Die süblime Verschmelzung mit Annerose wird nicht stattfinden. Nie. Denn ich bin längst kaputt.
Ja, es ist dunkel hinter Altenwalde. Wie spät es ist weiß ich nicht.

 

Robert Cohn